Institutionelle Dimension

Aus Generalistische Pflegeausbildung
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Die institutionelle Dimension der Pflege

Ganz abgesehen davon, dass Pflege auch die Möglichkeit hat, solche Bedingungen zu verändern, findet Pflege ja nicht im luftleeren Raum sondern immer eingebettet in Rahmenbedingungen statt.

Unter der Überschrift „institutionelle Dimension der Pflege“ geht es auch um die Frage, wo Pflegefachleute arbeiten, d.h. in welchen Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens professionell Pflegende tätig werden. Ein leider oft unterschätzter Faktor der Berufszufriedenheit.

Studentische Forschungsprojekte am Pflegeausbildungszentrum Rauenstein (Überlingen) haben ergeben, dass sich Schüler bei der Entscheidung für die Altenpflege oder für die Krankenpflege viel weniger am Alter der zu Pflegenden orientieren, als an den institutionellen Rahmenbedingungen. Beispiele aus den qualitativen Interviews, die anschließend quantitativ erhärtet wurden:

  • im Krankenhaus zu arbeiten ist mir wichtig, weil ich mich für das Medizinische interessiere; im Altenheim ist es doch mehr oder weniger jeden Tag dasselbe, mehr oder weniger auf die Grundpflege beschränkt;
  • im Altenheim zu arbeiten ist mir wichtig, weil ich über längere Zeit mit den Menschen zu tun haben will, die ich pflege; ich will eine Beziehung aufbauen können; das ist im Krankenhaus nicht möglich bei einer so kurzen Verweildauer
  • im ambulanten Pflegedienst zu arbeiten ist mir wichtig, weil ich da weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten kann: meine Tour, meine Kunden, ...

Aus Sicht der Pflegeschüler am Pflegeausbildungszentrum Rauenstein, die sich für einen oder zwei Berufsabschlüsse aus Altenpflege und Gesundheits- und Krankenpflege entscheiden können, haben die bisherigen Ausbildungen folgende Konnotation:

  • Altenpflegeausbildung = Vorbereitung auf die Langzeitpflege, hohe Verweildauer, Chance des Beziehungsaufbaus,
  • Gesundheits- und Krankenpflege = Vorbereitung auf die Akutpflege, hohe Flexibilität, höherer Anteil an Behandlungspflege

Das Alter der zu Pflegenden also die biografische Dimension spielt bei der Entscheidung für den Erstberuf kaum eine Rolle. Dies vielleicht auch deshalb, weil in Rauenstein im Unterricht regelmäßig das Durchschnittsalter der zu Pflegenden errechnet wird. Dabei lag der Altersdurchschnitt im Krankenhaus manchmal sogar über dem Altersdurchschnitt im Altenheim.

Das Pflegeberufegesetz bereitet auf die ganze Bandbreite der Pflegeeinrichtungen vor:

  • ambulante und stationäre Einrichtungen
  • Einrichtungen der Akut- und der Langzeitpflege
  • Einrichtungen, die nach SGB V und / oder nach SGB XI finanziert werden

Darüber hinaus wäre wünschenswert, den Casemanagement - Ansatz (besonders bei der hochschulischen Ausbildung) zu verankern, damit Pflegefachleute der Zukunft die sektorale Struktur der Pflegeinstitutionen überwinden können.

Aus der institutionsübergreifend angelegten, generalistischen Ausbildung ergibt sich vor allem im ländlichen Raum die Problematik, dass zwischen den einzelnen Einrichtungen, die im Laufe der Ausbildung als Pflicht- oder Vertiefungseinsätze zu durchlaufen sind, große Entfernungen liegen können. Das mag den einen oder anderen Bewerber abschrecken, der bisher Krankenhaus, Krankenpflegeschule und Schülerwohnheim auf einem gemeinsamen Gelände vorgefunden hat. Bei den Altenpflegeschülern war schon immer eine größere Entfernung zwischen Berufsschule und ausbildender Einrichtung üblich.

Allerdings – und das ist ein rein statistischer und kein ursächlicher Zusammenhang, liegt das Durchschnittsalter der Altenpflegeschüler weit über dem Durchschnittsalter der Gesundheits- und Krankenpflegeschüler. Vielleicht sind Gesundheits- und Krankenpflegeschüler altersbedingt eher darauf angewiesen, die verschiedenen Lernorte räumlich zusammenhängend vorzufinden.