Finale Dimension

Aus Generalistische Pflegeausbildung
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Die finale Dimension der Pflege

Die finale Dimension der Pflege erhält ihre Bezeichung vom lat. finis = Ende, Ziel. Sie beleuchtet die verschiedenen Zielsetzungen pflegerischer Interventionen. Zugegebenermaßen eine missverständliche Bezeichung, die alles Mögliche umfasst und nicht nur die Pflege im Finalstadium; so wie palliative Pflege auf keinen Fall auf die Pflege am Lebensende reduziert werden darf. Dieser Eindruck entsteht freilich, wenn man palliative Pflege googelt.

Zur Unterscheidung der finalen und kausalen Dimension sei gesagt, dass

  • kausal den Blick in die Vergangenheit richtet, was war; wie kam es dazu, dass... ?
  • final den Blick in die Zukunft richtet: wohin wollen Menschen mit Pflegebedarfen und Pflegefachpersonen, was wollen sie erreichen?

Die vier klassischen Zielsetzungen gabe es schon im KrPflG von 2003:

  • präventiv
  • kurativ
  • rehabilitativ
  • palliativ

Seit dieser Zeit läuft eine - zugegebenermaßen nicht wissenschaftliche, aber auf Grund der Datenfülle doch beeindruckende - empirische Untersuchung: Für jeden Patienten, der etwa im Rahmen einer Praxisanleitung, Praxisbegleitung oder praktischen Examensprüfung zu betreuen war, ließen sich bis dato jeweils Anteile aller 4 Zielrichtungen finden. So lange kein ausdrücklicher Gegenbeweis auftaucht, mag also weiter behauptet werden, dass diese 4 Zielsetzungen nicht an bestimmte Institutionen gebunden sind:

  • rehabilitative Pflege findet nicht nur im Rehabilitationszentrum statt
  • palliative Pflege nicht nur im Hospiz
  • kurative Pflege nicht nur im Akutkrankenhaus ...

Wenn das die Aufsichtsbehörden anerkennen und wenn dazu noch entsprechende Ausbildungsnachweise geführt werden, entsteht mehr Freiraum bei der Planung der praktischen Einsätze. Dieses Thema, welche Lernorte für die praktische Ausbildung zugelassen werden, und ob sich das, was der Verordnungsgeber als Lernaufgaben für diese Lernorte vorstellt, auch realisieren lässt, ist bis dato nicht geklärt.

Es scheint daher notwendig, eine Art "Praxisbegleitbuch" führen zu lassen, einerseits als verbrieftes Recht, die darin enthaltenen Lern- und Anleitesituationen erleben zu dürfen, und andererseits als Dokument und Nachweis einer erfolgreichen Teilnahme an der praktischen Ausbildung. Last but not least könnte eine Dokumentenanalyse dieser geführten Ausbildungsnachweise auch evaluieren helfen, welche Einsätze mit welcher Dauer tatsächlich welche Lernerfolge bringen.

Jetzt wird durch das Pflegberufsgesetz an die 4 vom KrPflG bekannten Zielsetzungen noch die "sozialpflegerische" drangehängt (vgl. § 5 Ausbildungsziel).

Inkonsistentes Konglomerat aus AltPflG und KrPflG

Dabei ist "sozialpflegerisch" ein Adjektiv, das eher die Inhalte als die Ziele pflegerischer Interventionen beschreibt. Hier sind einfach die Ausbildungsziele ds KrPflG und des AltPflG vermischt worden. Wobei das Adjektiv "sozialpflegerisch" im Kontext der Zuständigkeiten (Bund oder Länder?) nochmals eine andere Bedeutung hat. Bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (im Jahre 2000 vom Bundesland Bayern angerufen, um die Zuständigkeit für das AltPflG zu klären), galt die Betonung auf "sozialpflegerisch" in der Altenpflege immer als Garantie für die Zuständigkeit der Länder, während die Betonung auf "Gesundheit und Krankheit" die Zuständigkeit des Bundes nach sich zog.