Abbrecherquote

Aus Generalistische Pflegeausbildung
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Abbrecherquote in der Pflegeausbildung

Stellungnahme zum Bericht in B5-aktuell vom 23.08.2019 Warum die Abbrecherquote in der Pflegeausbildung so hoch ist

Im Bericht heißt es "Das Problem sind die Ausbildungsbedingungen und dass Praxis und Theorie oft weit auseinanderklaffen", sagt Diana Sgolik, Verdi- Jugendkoordinatorin für Gesundheit und Soziales.

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Das ist so nicht ganz richtig.

Es gibt Auszubildende, die sich andere Vorstellungen von Pflege gemacht haben, und jetzt in der Praxis enttäuscht sind und deswegen die Ausbildung aufgeben.

Aber: Es gibt viele Gründe, die Ausbildung abzubrechen, z.B. gibt es immer noch Pflege- Azubis, die die Wartezeit auf einen Studienplatz in Medizin mit einer (angefangenen) Ausbildung in der Pflege „überbrücken“. Was in letzter Zeit zunimmt: Da die Bewerberquantität und -qualität rückläufig sind, bekommen vielleicht auch mal Azubis eine Chance, die man früher nicht eingestellt hätte, z.B. weil sie noch nicht ausreichend gut Deutsch sprechen können. Und dann stellt man – und oft stimmen Ausbildungsbetrieb und Auszubildender da überein – fest, dass ein erfolgreicher Abschluss der Ausbildung unrealistisch ist.

Im Bericht heißt es: „Dazu komme eine Regelung, wonach mehrere Azubis zusammen als eine volle Planstelle für eine Pflegekraft gezählt werden, obwohl sie noch lernen, so der Deutsche Pflegeverband. Geschäftsführer Rolf Höfert zufolge werden in der Praxis fünf Pflege-Azubis auf eine Planstelle angerechnet. "Das führt dazu, dass Azubis als Arbeitskraft verheizt werden", so Höfert.“

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Das ist falsch.

Im Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG § 17a[3]) ist eine Anrechnung von 1:9,5 vorgesehen. Anfang 2019 wurden durch das Pflegepersonalstärkungsgesetz (PPSG[4]) die Schüler im ersten Ausbildungsjahr komplett aus dem Stellenplan genommen.

Im Bericht heißt es: Weil Auszubildende, vor allem, wenn sie unter 18 Jahre alt sind, besonders schutzbedürftig sind, finden aber noch andere Regeln Anwendung. Die stehen zum Beispiel im Jugendarbeitsschutzgesetz. Oder im Berufsbildungsgesetz - normalerweise.

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Doppeltes Missverständnis!

Aufgrund der Formulierung kann der Eindruck entstehen, dass alle genannten Gesetze in der Pflegeausbildung nicht gelten. Es ist aber „nur“ das Berufsbildungsgesetz ausdrücklich ausgenommen. Und wenn das Berufsbildungsgesetz gelten würde, würde sich an der Arbeitsbelastung der Pflegenden überhaupt nichts ändern. Frau Sgolik hat hier völlig recht: die praktische Ausbildung hängt wesentlich davon ab, wie viele Patienten oder Bewohner von wie vielen Pflegekräften betreut werden müssen. Dieser Schlüssel ist in Deutschland sehr viel schlechter als in anderen Ländern (Details unter www.pflege-wandert-aus.de , deswegen bleibt keine Zeit für die Anleitung und Ausbildung.

Im Bericht heißt es: Erst im dritten Lehrjahr spezialisieren sich die jungen Leute. So können sich Azubis in verschiedenen Pflegebereichen erst einmal ausprobieren bevor sie sich zum Beispiel auf die Pflege von alten Menschen festlegen. Damit soll die Abbrecherquote verringert werden.

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Das ist falsch.

Es gab sicher viele Gründe, eine europakompatible, generalistische Ausbildung einzuführen. Die Abbrecherquote wird sich aus den o.a. Gründen deswegen nicht ändern. Die Wahlmöglichkeit besteht auch längst nicht für alle Pflege-Azubis: Nur wer schon vor der Ausbildung(!) einen Vertiefungseinsatz „Kinderkrankenpflege“ oder „Altenpflege“ im Ausbildungsvertrag vereinbart hat, der kann dann im dritten Ausbildungsjahr von der Wahlmöglichkeit Gebrauch machen.

Diese Wahlmöglichkeit bezieht sich nur auf das dritte Ausbildungsjahr, wo man später arbeiten wird, ist damit nicht festgelegt.